Hundewünsche

Mit Hunden zu leben kann so einfach sein.

 

Hunde haben so leicht durchschaubare Interessen und freuen sich über so harmlose Dinge, dass es zum Weinen ist, wie sehr viele von ihnen dahingehend ignoriert und mit ihren kleinen, leicht erfüllbaren Wünschen allein gelassen werden.

 

Ich beobachte beim Spazierengehen sehr gern andere Mensch-Hund-Teams und versuche dabei herauszufinden, wie zufrieden die Hunde wohl mit ihren Ausflügen sind. Die Menschen wirken meist entspannt, wenn sie zu mehreren im Sonnenschein wandeln und tief in Gespräche mit ihren menschlichen Gefährten versunken sind. Die Hunde werden dabei kaum je mit Blicken bedacht, dafür aber mit achtlos geworfenen Ästen oder Bällen, sollten sie zu sehr um Aufmerksamkeit betteln. Besonders beliebt dürften bei solchen Konstellationen "Gassigemeinschaften" sein, bei denen die Hunde ja untereinander "Spaß" haben können und die Menschen möglichst wenig mit ihren Wünschen belästigen.

 

Ich treffe Leute, die den ganzen Weg lang dem Hund immer wieder einen Ball schießen und dabei völlig überzeugt davon sind, dem Hund einen schönen Spaziergang zu bieten.

 

Natürlich mögen die Hunde das Ballspiel, viel interessanter und damit entspannender wäre es aber, den Ball auch zu suchen und nicht nur wie aufgezogen hinterherzuhetzen.

 

Ich treffe Jogger mit Hund und Radfahrer mit Hund, die ebenfalls der Meinung sind, dem Hund mit ihrer Aktivität einen großen Gefallen zu tun, obwohl der Hund dabei nicht die geringste Möglichkeit hat, seinen eigenen Interessen nachzugehen, aus Angst seinen Menschen zu verlieren, geschweige denn, höflich mit Artgenossen zu kommunizieren. Die Konflikte, denen diese Hunde ausgesetzt sind, sind jedesmal erbärmlich mitanzusehen.

 

Ich treffe aber auch Jogger und Radfahrer mit Hund, die sehr wohl auf die Bedürfnisse ihrer Hunde eingehen und dabei ihre eigenen eben ein bissl zurückschrauben, langsamer werden oder eben ihr Rad schieben.

 

Natürlich wollen Hunde laufen, aber mindestens genauso dringend wollen sie schnüffeln und am allerdringendsten erwarten sie sich Rückmeldungen ihrer menschlichen Partner.

 

Ich treffe Leute, die den Spaziergang für Gehorsamsübungen nutzen und in den Lernpausen den Hund, wie es so schön heißt, "Hund sein lassen", um zwischen "Arbeit und Vergnügen" zu unterscheiden.

 

Natürlich üben Hunde gern, aber den Hund dazwischen links liegen zu lassen und ihm nur Aufmerksamkeit zu schenken, wenn es menschlichen Zwecken dient, ist unfair und erzeugt auf Dauer kein tiefes Vertrauen, sondern Hilflosigkeit (oder Widerwillen gegenüber den Übungseinheiten).

 

Die zufriedensten Hunde habe ich allerdings aus völlig unerwarteter Richtung kennengelernt.

 

Ich habe einen Mann in Begleitung einer winzigen Wuschelhündin getroffen, der mir - voller Zuneigung zu seinem Hund - erzählt hat, was sie mag und nicht mag, warum sie einen Pullover trägt und dass er leider weitergehen müsse, weil sein Hund gern bestimmt, wo die Spaziergänge hinführen.

 

Oft treff ich auch einen älteren Herrn mit einem ebenfalls schon etwas gesetzteren Labrador. Die beiden suchen immer den gleichen Platz auf, um dort zur Spaziergang-Halbzeit gemeinsam einen Apfel und eine Banane zu essen. Hund und Mensch sind ausgeglichen, freundlich und zufrieden, interessieren sich füreinander und ich seh sie oft auch ganz versonnen nebeneinanderstehen und die Landschaft betrachten. Gemeinsam.

 

Ja, mit Hunden leben kann so einfach sein, wenn man als Mensch ein wenig von seinem hohen Ross runtersteigt, umdenkt und versucht, die Welt aus Hundeaugen zu sehen.